Die Hessel: Tradition und Erneuerung
Ein traditionsreicher Ort im Herzen des Eichsfelds

Die Lage
Das Hesseltal liegt in waldreicher Umgebung im Eichsfeld in Thüringen, östlich von Kassel und westlich der Gemeinde Wiesenfeld in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze nach Hessen; also ‚im Herzen Deutschlands‘. Durch das Tal fließt der Hesselbach. Im Süden und Westen wird es von den Ausläufern des Gebirgszuges ‚Gobert‘ und im Norden vom ‚Rachelsberg‘ eingeschlossen.

Die benachbarte Landesgrenze zwischen Thüringen und Hessen ist Teil des ‚Grünen Bandes‘, des unterschiedlich breiten Naturschutzgebiets auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen DDR und BRD. Dieses ‚Grüne Band‘ zieht sich von der Ostsee bis zur tschechischen Grenze durch Deutschland. Inzwischen reicht dieses Naturschutzband quer durch Europa auf einer Länge von 12.500 km vom Eismeer bis zum Mittelmeer und dem Schwarzen Meer. Es verbindet heute 24 Länder Europas und bietet eine einzigartige Gelegenheit, Geschichte in der Natur zu erleben. Das Hesseltal ist mit diesem Projekt verbunden.
Historie
Hessel, mal als Oberhessel mal als Niederhessel benannt, wird immer wieder in Urkunden der einzelnen Landesherren dieser Gegend erwähnt. Wann das Rittergut Hessel in seiner späteren Form errichtet wurde, ist leider nicht bekannt. Die Postkarte zeigt aber die stattlichen Gebäude um das Jahr 1900, die von wirtschaftlicher Blüte zeugen.

1936 erwarb Martin Schmidt das Rittergut Hessel. Es umfasste damals 119 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und 115 ha Wald. Der neue Eigentümer war Mitglied der Anthroposophischen Bewegung Rudolf Steiners. Dr. Rudolf Steiner hatte 1924 in seinem landwirtschaftlichen Kurs die Grundlagen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft gelegt. Das führte 1927 auch zur Gründung des Demeter-Verbundes. (Demeter war in der antiken Mythologie die Schwester des Zeus und für die Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides und der Saat zuständig). So führte Martin Schmidt diese Wirtschaftsweise auch auf Gut Hessel ein. Er unternahm erste Versuche, neues Roggen-Saatgut zu züchten, seitdem nannten ihn seine Freunde „Roggen-Schmidt“.
Neben der landwirtschaftlichen Arbeit wurde Gut Hessel mit vielfältigen Aktivitäten des Eigentümers und durch seine Lage zu einem Kulturzentrum auf dem Lande. Als die 1919 gegründeten Waldorfschulen 1938 verboten wurden, nahm Gut Hessel betroffene Familien mit ihren Kindern und andere Jugendliche auf, betreute sie schulisch und ließ sie den Bildungswert praktischer Arbeit erfahren. So lernten sie auf Gut Hessel auch die neuen Bewirtschaftungsmethoden einer nachhaltigen Landwirtschaft kennen. Zum Ende des 2. Weltkrieges fanden dort auch Flüchtlinge Aufnahme und Herberge.
Nach Kriegsende mussten die Bewohner im Sommer 1945 den Hof verlassen, von denen einige zu den Gründern der heutigen Lebensgemeinschaft Bingenheim wurden. Aus ihr ging die heutige ökologisch ausgerichtete ‚Bingenheimer Saatgut AG‘ hervor.

Da der Hof genau im Grenzbereich der beiden deutschen Teilstaaten lag, wurden die Gebäude im Laufe der Jahre abgerissen. Felder und Weiden wurden in der Bodenreform zunächst aufgeteilt und später bis zur Wende durch die ortsansässige LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) genutzt.
Einige alte Bäume und Torsteine erinnern noch heute an das alte Gut Hessel.
Neuanfang und Zukunft
Die Hessel ist mehr als nur ein landwirtschaftlicher Betrieb - sie ist ein historischer Ort, der seit Generationen eng mit der Entwicklung des Eichsfelds verbunden ist. Nach dem Niedergang zur DDR-Zeit erlebt sie seit 1990 eine bemerkenswerte Wiedergeburt als biologisch-dynamischer Hof (mehr dazu lesen sie hier).

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