Der Hof
Hof und Land werden derzeit von Matthias Mock mit seiner Partnerin Leonie Jacobs und Hilfe der ganzen Familie bewirtschaftet. Matthias betreibt nun den wieder aufgebauten Hof in zweiter Generation, nachdem er ihn im Jahre 2020 von seinem Vater übernommen hat. Selbstverständlich betreibt auch er ihn biologisch-dynamisch und ist Mitglied im Demeter-Verbund.

Die biologisch-dynamisch geführte Landwirtschaft betrachtet alle Vorgänge auf dem Hof wie in einem individuellen Organismus. Nur das gute Zusammenspiel von Landwirt, Ackerbau und Tierhaltung kann zu einer nachhaltigen und umweltgerechten Bewirtschaftung beitragen.
Etwa 90 ha Ackerland und 200 ha extensives Grünland, die nach den Richtlinien des Demeter-Verbands bewirtschaftet werden, sind die Lebensgrundlage für ca. 100 Mutterkühe mit ihrer Nachzucht sowie etwa 120 Schafe. Neben den Rindern und Schafen leben auf dem Betrieb auch einige Schweine und Pferde.
Tierhaltung

Rinder
Auf den ca. 200 ha extensiven Weideflächen haben die Rinder reichlich Platz und Futter, um ihren Nachwuchs großzuziehen. Auf dem Hof halten wir Tiere der Rasse Welsh Black, Charolais, Blonde d'Aquitaine und Limousin. Die Rinder weiden vorrangig auf den besseren Standorten und ermöglichen es uns Landschaftspflege mit der Produktion von hochwertigen Fleischprodukten zu kombinieren.
Schafe
Wir halten Schafe zur Fleisch- und Wollproduktion, vorrangig betreiben wir mit ihnen aber Landschaftspflege auf sensiblen Standorten wie Kalkmagerrasenflächen, Streuobstwiesen oder in Feuchtgebieten. Auf dem Hof leben und arbeiten mit uns Heid- und Moorschnucken, Shropshire sowie Merino-Langwollschafe.

Ackerbau: Vielfalt und Tradition
Bereits seit 1991 werden die Äcker der Hessel nach den Grundlagen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft bewirtschaftet. Diese ist die Versorgung der Bodenlebewesen, also die Düngung des Bodens. Ein weiterer Kernpunkt unseres Ackerbausystems ist eine bodenangepasste Fruchtfolge.
Neben Druschfrüchten wie Triticale, Gerste sowie Lupinen und Erbsen für die Tiere, werden auch Brotweizen, Dinkel, Brotroggen und Speisehafer erzeugt. Auch einige alte und fast in Vergessenheit geratene Getreidearten wie Einkorn oder Waldstaudenroggen finden Platz auf den Feldern der Hessel.
Moderne Technik im Dienst der Nachhaltigkeit
Wir versuchen unser Ackerbauverfahren ständig nach neuen wissenschaftlichen Erkentnissen weiter zu entwickeln um eine resiliente Bewirtschaftung unserer Ackerböden zu gewährleisten. Unserer Kulturen werden im Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung angebaut. Moderne Präzisionsgrubber und eine Aussaat im "Strip Till" Verfahren zeigen auf unseren anspruchsvollen tonigen Böden gute Erträge bei gleichzeitig gutem Bodenschutz.
Seit 2022 haben wir einen eigenen Mähdrescher und können diverse Kulturen zu bestmöglichen Erntezeitpunkten dreschen. So hat sich sowohl unsere Erntequalität als auch die Vielfalt unserer angebauten Kulturen weiter erhöht.
Hierfür spielt auch unsere neue moderne Trocknungsanlage mit Satztrockner für bis zu 8 t Getreide und Kistentrockner für die Nachernte-Trocknung von bis zu 12 verschiedenen Kulturen/Partien gleichzeitig eine wichtige Rolle.

Forschung und Innovation
Kooperationen in der Saatgutentwicklung
- Kooperation mit dem Gemüsebetrieb Walsegarten/Sebastian Vornhecke für Kürbisanbau
- Zusammenarbeit mit Bingenheimer Saatgut und der Biosaat GmbH für Züchtung und Saatgutweiterentwicklung
- Forschungskooperation mit Karl Josef Müller (Cultivari gGmbh): Anbauversuch mit 262 besonders robusten Sommergerstesorten auf Grenzertragsflächen
Herausforderungen und Resilienz
Wetterextreme bewältigen
Die Landwirtschaft ist zunehmend mit Wetterextremen konfrontiert. Starkregen mit mehr als 45 Litern pro Quadratmeter binnen 10 Minuten stellte 2024 eine besondere Herausforderung dar. Dabei zeigt sich die Bedeutung von Resilienz - der Fähigkeit, nach Störungen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren.
Qualität trotz widriger Umstände
Auch schwierige Erntejahre können durch die richtige Technik und Erfahrung gemeistert werden. Selbst wenn Getreide den Marktstandards nicht entspricht, kann es als hochwertiges Tierfutter genutzt werden - ein Beispiel für die geschlossenen Kreisläufe der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.
Zukunftsperspektiven
Die biologisch-dynamische Landwirtschaft auf Gut Hessel verbindet erfolgreich:
- Traditionelle Methoden mit modernen Erkenntnissen
- Ökologische Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit
- Lokale Produktion mit überregionalen Kooperationen
- Bildungsarbeit mit praktischer Landwirtschaft
Als Demeter-zertifizierter Betrieb trägt Gut Hessel zur Vielfalt und Qualität der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Deutschland bei und zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft erfolgreich praktiziert werden kann.

Erfahren Sie mehr über unsere Ökologie und Sozialarbeit. Aktuelle Entwicklungen finden Sie unter Aktuelles.